MAMBAS
TRIZEPS
© PNTGM MCMXCVII Letzte Aktualisierung: 10/03/07 |
WERNER PUNTIGAM - Idee, Gesamtkonzept & Artworks
Line up:
VIDEO (Quicktime 2.510K) © ORF Landesstudio OÖ
Der österreichische Performer & Designer Werner Puntigam verknüpft in Trizeps verschiedene künstlerische Gestaltungsformen (Zweidimensionales, Räumliches, Akustisches,...) zu einem Gesamtkunstwerk für Aug' und Ohr. Im Mittelpunkt steht eine aus gleichseitigen Dreiecken konstruierte und sich im Laufe der Performance verändernde Rauminstallation, deren bewegliche Seitenteile mit abstrakten Schriftbildern bespannt sind. Jedes dieser ebenfalls dreieckigen Bilder enthält - aufgrund der variablen Betrachtungsmöglichkeiten - drei verschiedene "Botschaften", die von drei Musikern als Graphische Partitur gelesen und klanglich interpretiert werden. Danach sind dem "Spieltrieb" der Musiker keinerlei Grenzen gesetzt: sowohl musikalisch als auch in der Bewegung wird nach Herzenslust variiert und improvisiert. Die in den drei Grundfarben gehaltenen Kostüme und Rückseiten der drei Bilder setzen die farbigen Akzente in der schwarz-weißen Arena. Als Hauptakteure lassen der Saxophonist Martin Zrost-Wallner, der Trompeter Richard Klammer und Werner Puntigam (Posaune) nicht nur ihre Blasmuskeln spielen. Puntigam's Entwürfe wurden von Gertrud Radl (Kostümschnitt und -anfertigung) und Christian Ruschitzka (Rauminstallation) ausgeführt.
P.S. Dieses "audiovisuelle Dreiecksverhältnis" versteht sich in erster Linie als (Hör-/Schau-)Spiel mit Formen, Farben, Klang, Bewegung und Raum. Als "Spielregel" sei dem p.t. Publikum empfohlen, das Hirn abzuschalten (es gibt nichts "zu verstehen"!), dafür aber Ohren und Augen umso weiter zu öffnen, denn das sinnliche Erleben der Performance hat absolute Priorität!
Abstrakte Schriftbilder. Die Idee, abstrakte "Schriftzeichen" zu entwickeln, die von verschiedenen Seiten aus betrachtet gleichermaßen lesbar sein sollen, stellt die Ausgangsbasis des Projektes dar. Als Mediumträger fungieren drei weiße Kunststofftransparente in Form gleichseitiger Dreiecke mit einer Seitenlänge von 220cm. Ein Liniennetz unterteilt die Gips/Acryl-beschichtete Dreiecksfläche wiederum in viele kleinere Dreiecke. So ergeben sich je nach Dichte des Liniennetzes vier-, acht- bzw. elfteilige Zeilensysteme, die den mit Kohle gezeichneten Schriftsymbolen eine Leserichtung geben. Diese Zeichen geben den Musikern Informationen über relative Tonhöhe, -verlauf und -bewegung, Dynamik, Struktur, etc. und können somit als Grafische Partitur gelesen und klanglich interpretiert werden. Jedem Musiker bleibt jedoch genug Freiraum für seine individuelle Umsetzung der Symbole. In der Gesamtheit verhalten sich die drei Partituren zueinander wie die drei Sätze eines Konzertes oder einer Sonate (Moderato-Adagio-Allegro). Es gilt also: Je dichter die Partitur mit Symbolen übersät ist, in desto schnellerer Abfolge werden die einzelnen Teilstücke gespielt. Oder anders gesagt: Das Transparent mit nur vier Zeilen hat das langsamste Tempo, entspricht also dem zweiten Satz einer Sonate. Da die Partituren von jeder Dreiecksseite aus gleichermaßen gelesen werden können, enthält ein und dasselbe Bild drei (wenn man die Betrachtungsmöglichkeiten von den Dreiecksspitzen aus miteinbezieht, sogar sechs) verschiedene "Botschaften". Die die Kreativität der Ausführenden fördernde "Unbestimmtheit" der Schriftsymbole garantiert gleichzeitig, daß jede Aufführung neu ist.
Installation und Raumkonzept. Für die Performance werden die zweidimensionalen Schriftbilder mittels einer Installation räumlich erweitert. Die drei Transparente werden dazu in ebenfalls dreieckige Stahlrahmen (s = 250cm) gespannt, die wiederum an einer Stahlrohr-Konstruktion in Dreiecksform beweglich montiert sind, sodaß sie zu einem Tetraeder zusammengeklappt werden können. Zu Beginn der Performance sind die Seitenteile zur Pyramide hochgeklappt, wobei jede Außenfläche in einer der drei Grundfarben (rot, gelb, blau) beleuchtet wird. Im Verlauf der Darbietung öffnet sich die Pyramide ähnlich einer Blüte, indem die Seitenteile auseinandergestoßen werden, sodaß nun die "Inschriften" sichtbar am Boden aufliegen. In den Ecken des Grundgerüsts sind Seile befestigt, mittels dieser die komplette Installation über eine an der Decke montierte Zugvorrichtung im Schlußteil der Aufführung hochgezogen wird. Während dieses Vorgangs werden die herabhängenden Seitenteile zusammengeschoben und an den Spitzen fixiert. Die nun vollkommen umgestülpte Pyramide hängt letztendlich frei schwebend und mit der Spitze nach unten zeigend im Raum. Die optimale Präsentation dieses Projekts ist sicherlich von der Umsetzung in einem "neutralen" Raum abhängig, der einerseits nicht von der streng geometrischen Dreiecksform der Installation ablenkt und andererseits dem Publikum eine günstige Beobachterposition (möglichst erhöht) bietet. Hervorragend geeignet ist beispielsweise das kreisförmige Foyer der ORF-Landesstudios, das für die Uraufführung in Linz 1991 zur TRIZEPS-"Arena" umgestaltet wurde. Mit von der Galerie im ersten Stock herabhängenden schwarzen Vorhängen und einem schwarzen Bodenbelag wurde ein abgeschlossener zylinderförmiger Raum geschaffen, in den die Zuschauer ausschließlich von oben Einblick haben. der dreigeteilte Vorhang ist zu Beginn nach oben gespannt und gibt erst durch sein Herabfallen der Bühne die abgeschlossene Form und gleichzeitig die Sicht frei auf das Geschehen in der Arena. Zusätzlich wurde der Boden des Foyers mit schwarzem Sand aufgeschüttet, in dem die Performance ihre Spuren hinterläßt, die im Schlußbild mittels flacher Beleuchtung noch besonders hervorgehoben werden.
Musik- & Bewegungsperformance. Mit dem Fallen des Vorhangs und der damit verbundenen Freigabe der Sicht in die Arena beginnt die Performance. Aus der Pyramide tönen immer lauter werdende Geräusche, bis die Musiker, die sich im Inneren der Installation befinden, die hochgeklappten Seitenteile auseinanderstoßen und so das "Praeludium" beenden. Die ebenfalls in den drei Grundfarben gehaltenen und in Dreiecksform geschnittenen Kostüme der Akteure setzen nun die farbigen Akzente in der schwarz/weißen Szenerie. Das Trio interpretiert nicht nur die nun sichtbar gewordenen Partituren, jedem Musiker steht es auch frei, seine Position zu verändern und beliebige Teile der Bilder zu spielen. Danach sind dem Spieltrieb der Drei keinerlei Grenzen gesetzt: Sowohl musikalisch als auch in der Bewegung wird nach Herzenslust variiert und improvisiert! Der gesamte Arena-Bereich - inklusive der drei Vorhangöffnungen und des dahinterliegenden (für die Zuseher nicht einsehbaren) Raumes - wird dafür genützt. Am Ende der Performance wird die Installation durch Hochziehen zum "Schweben" gebracht. Während sich die Bühne verfinstert werden die nach unten hängenden Seitenteile zusammengeschoben und an den Spitzen fixiert, sodaß die Pyramide nun vollkommen umgestülpt mit der Spitze nach unten zeigt. Sobald die Arena in völlige Dunkelheit getaucht ist, verlassen die Akteure die Bühne.
Programmheft. Nicht nur der erste optische Eindruck des Infos (in Dreiecksform) stellt einen direkten Bezug zum "Roten Faden" dieses Projektes her. Vielmehr wiederholt sich hier in zweidimensionaler Form die Bewegung, die die Installation im Laufe der Darbietung erfährt. Beginnt man das dreieckige Heft zu lesen, zeigt es mit der Spitze nach oben. Hat man es aber durchgeblättert und ist bei der Rückseite angelangt, hält man es plötzlich mit der Spitze nach unten zeigend in der Hand, ohne das Heft verdreht zu haben. Diese Nachahmung des Umstülpens der Pyramide wird noch durch die Positiv/Negativ-Umwandlung der Titel- und Rückseite verstärkt. Das Layout der inneren Seiten berücksichtigt ebenfalls das durchgehende Dreiecksformat. Die umfangreicheren Texte (Projektbeschreibung, Biografien der Mitwirkenden, usw.) erstrecken sich über eine ganze Seite, sodaß eine leicht grau wirkende Dreiecksfläche (Text) einer weißen gegenüberliegt. Um die Wirkung der leeren Fläche beibehalten zu können, werden nur kleine Portraitfotos (punktförmig) ins Format eingebaut. Die Doppelseite in der Mitte des in schwarz/weiß gehaltenen Infos füllt ein S/W-Foto der Musiker in Aktion, wobei die Kostüme der Akteure farbig (rot, gelb, blau) unterlegt sind und wie im schwarz/weißen Bühnenbild die einzigen Farbakzente setzen.
Musiker-Infos:
WERNER PUNTIGAM . Geboren 1964 in Bad Radkersburg, lebt international und interkulturell freischaffend in Linz und Maputo/Mozambique. WP, der improvisierende und komponierende Musiker, gründete und betreibt verschiedenste unkonventionell besetzte Ensembles unterschiedlicher Musikrichtungen (u.a. "Mbirations", "Afrodynamix", "FocusPocus", "Blow & Order"). WP, der Fotograf und Designer, erstellt vielfältige Momentaufnahmen (z.B. "inter.views © pntgm") und zeichnet - neben zahlreichen Auftragsarbeiten - meist auch für das Artwork seiner CD-Produktionen verantwortlich. WP, der interdisziplinäre Performer und Künstler, konzipiert und realisiert multimediale Projekte und spartenübergreifende Performances (z.B. "Triptychon", mit Gastakteuren wie Tom Cora, Han Bennink, Sainkho Namtchylak, Jon Rose u.a.) sowie Klang- und Rauminstallationen wie "Mo(ve)ments". Maßgeblich beteiligt auch an Schauspiel- und Tanztheater-Produktionen (Bühnenmusik & Fotografie), sowie Kooperationen mit LiteratInnen, FilmemacherInnen, Bildenden und VideokünstlerInnen etc. Ebenso Kinder- und Workshop-Projekte. Preise und Auszeichnungen sowohl für Akustisches als auch für Visuelles. Gastspiele in halb Europa, in den USA, Mozambique, Südafrika, Tanzania, Zimbabwe und Japan.
RICHARD KLAMMER.
MARTIN ZROST.
Pressestimmen:
"Beeindruckende Klangarena im Landesstudio: Dreier für Neugierige! Ein Garant für Ungewöhnliches ist der Linzer Posaunist Werner Puntigam. Auch mit dem Projekt TRIZEPS zeigt er seine Lust am Austesten anderer Möglichkeiten. (...) TRIZEPS ist eine Geschichte, die das sinnliche Erleben ansprechen soll. Eine Geschichte für Neugierige, die sich ihre Lust an der Überraschung bewahrt haben. (...) Ein Faszinosum aus Farben, Formen, Klang und Bewegung."
"Dreifacher Kunstgenuß! (...) Die Aufführung des 'audiovisuellen Dreicksverhältnisses' im ORF-Landesstudio wurde zu einem Schmankerl für Aug' und Ohr. (...) Eine höchst vergnügliche Performance. (...)"
"Die Effizienz des Erlebens! Das mediale Schlachtschiff (ORF-Landesstudio; Anm.) dient als Arena, in der Visuelles und Akustisches zur sinnlichen Entdeckung komprimiert wird. (...) TRIZEPS ist eine audiovisuelle Erlebnisreise, die dem Rezipienten ermöglicht, den Weg selbst festzulegen. Die Effizienz des Erlebens bestimmt somit der Reisende, wobei die räumlichen und zeitlichen Veränderungen als Orientierungshilfe dienen. (...)"
"Auf der Suche nach Veränderung! (...) Diese audiovisuelle Trinität ergreift mit Rauminstallation, Musik und Bewegung alle Sinne. (...)"
"(...) TRIZEPS entbehrt jeglicher eindeutiger Spartenzuordnung. Welche Wohltat! (...)"
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video stills © by ORF Landesstudio OÖ
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