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Letzte Aktualisierung: 10/03/07

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Eine statarische Stimme & zwei zügellose Zugposaunisten.

Line up:
JOSEF HASLINGER - Autor, Sprecher
BERTL MÜTTER - Posaune, Stimme
WERNER PUNTIGAM - Posaune, Geräusche


"Amerika. Ein Reiseepos für eine statarische Stimme und zwei zügellose Zugposaunisten". Wer sagt denn, dass Reiseberichte immer nur Dia-Vorträge in Volkshochschulen sein müssen? JOSEF HASLINGER, Publizist und einer der renommiertesten Vertreter österreichischer Gegenwartsliteratur ("Politik der Gefühle", "Opernball"), sowie BERTL MÜTTER und WERNER PUNTIGAM, zwei musikalische Grenzgänger in unterschiedlichsten Projekten, zeigen, dass man den beliebten Reisevortrag auch völlig umtopfen kann: Man kann daraus beispielsweise "Ein Reiseepos für eine statarische Stimme und zwei zügellose Zugposaunisten" machen. Haslingers ironische Auseinandersetzung mit dem amerikanischen Freiheitsmythos aus der Sicht eines Europäers, der in das Abenteuer der Vereinigten Staaten gerät, entstand während seines USA-Aufenthalts 1990/91. Heute, da Bewegungen, erst recht solche mit Flugzeugen, prinzipiell als verdächtig gelten, wirkt der Freiheitsmythos ("Nur wer in Bewegung ist, fühlt sich frei") wie ein nostalgischer Rückblick auf eine Zeit, in der man noch ohne Kontrolle in Flugzeuge einsteigen konnte. Die beiden Posaunisten agieren nicht nur als solche, sondern auch mit den Möglichkeiten der menschlichen Stimme sowie mit allerhand Geräuschen, wenn sie mit JOSEF HASLINGER auf der Bühne stehen. Dieses gewagte Unterfangen entpuppt sich als ungewöhnliches Hörerlebnis, ergänzt mit Dias, zu dessen Höhepunkten sicherlich ein zwischen zwei Prosateilen eingebetteter Rap gezählt werden kann.

Download MP3-Hörproben:
Nashville (2,2 MB) / Joe Kovacs (3,7 MB) / Gutes altes Bud (2,4 MB) / Metropolitan (1 MB)


Diskografie:

CD "Amerika" (Neueinspielung) als Beilage zur 1. Auflage des Erzählbandes "Zugvögel", S. Fischer Verlag 2006
CD "Amerika" Buchkultur/Extraplatte EX170CD, 1993


Kurzinfos über die Akteure:

JOSEF HASLINGER. Geboren 1955 in Zwettl/NÖ, lebt in Wien und Leipzig. Studium der Philosophie, Theaterwissenschaft und Germanistik. War Mitherausgeber der Literaturzeitschrift "Wespennest" und Generalsekretär der Grazer Autorenversammlung. Gastprofessuren in den USA. Seit 1996 Professor für Literarische Ästhetik am Deutschen Literaturinstitut der Universität Leipzig. Zahlreiche Buchveröffentlichungen, u.a. die Essaybände "Politik der Gefühle. Ein Essay über Österreich", "Hausdurchsuchung im Elfenbeinturm", "Das Elend Amerikas. Elf Versuche über ein gelobtes Land" sowie "Klasse Burschen", weiters die literarischen Bestseller "Opernball" (1995, S. Fischer Verlag) und "Das Vaterspiel" (2000, S. Fischer Verlag). Letzte Veröffentlichung: "Phi Phi Island. Ein Bericht" (2007, S. Fischer Verlag).

BERTL MÜTTER. Geboren 1965 in Steyr. Lebt als freischaffender Musiker, Komponist und Schreiber in Wien und unterwegs. Neben der solistischen Arbeit zwischen Komposition und Improvisation, die sich auf vertraute und entferntere (nicht nur musikalische) Traditionen bezieht (etwa seine sehr persönlichen, Staunen machenden Destillationen der großen Liederzyklen von Schubert und Schumann), spielt Mütter auch gerne in Gruppen, wenn das aufeinander Hören praktiziert wird (u.a. Timbre, Duo Cech-Mütter, Mrs Bubbles & Bones mit Erika Stucky u. Jon Sass). Und er arbeitet mit den Autoren Franzobel, Josef Haslinger und Gert Jonke, sowie mit der Lichtkünstlerin Victoria Coeln zusammen. Als Komponist erhielt Bertl Mütter etliche Stipendien, eine wachsende Zahl junger, neugieriger (und fantastisch ausgebildeter) Musikerinnen und Musiker gibt bei ihm Werke in Auftrag. Seit Dezember 2004 betreibt er muetterlog.at, seine tägliche (!) Glosse mit allerlei wirklich wahren Vorstellungen.

WERNER PUNTIGAM . Geboren 1964 in Bad Radkersburg, lebt international und interkulturell freischaffend in Linz und Maputo/Mozambique. WP, der improvisierende und komponierende Musiker, gründete und betreibt verschiedenste unkonventionell besetzte Ensembles unterschiedlicher Musikrichtungen (u.a. "Mbirations", "Afrodynamix", "FocusPocus", "Blow & Order"). WP, der Fotograf und Designer, erstellt vielfältige Momentaufnahmen (z.B. "inter.views © pntgm") und zeichnet - neben zahlreichen Auftragsarbeiten - meist auch für das Artwork seiner CD-Produktionen verantwortlich. WP, der interdisziplinäre Performer und Künstler, konzipiert und realisiert multimediale Projekte und spartenübergreifende Performances (z.B. "Triptychon", mit Gastakteuren wie Tom Cora, Han Bennink, Sainkho Namtchylak, Jon Rose u.a.) sowie Klang- und Rauminstallationen wie "Mo(ve)ments". Maßgeblich beteiligt auch an Schauspiel- und Tanztheater-Produktionen (Bühnenmusik & Fotografie), sowie Kooperationen mit LiteratInnen, FilmemacherInnen, Bildenden und VideokünstlerInnen etc. Ebenso Kinder- und Workshop-Projekte. Preise und Auszeichnungen sowohl für Akustisches als auch für Visuelles. Gastspiele in halb Europa, in den USA, Mozambique, Südafrika, Tanzania, Zimbabwe und Japan.


Gutes altes Bud. Ein Rap. (Textauszug)

Ich setzte mich ins Auto und fuhr Richtung Osten.
In die Stadt der Tunnelmenschen, in die Stadt der Luftbewohner,
in die Stadt, in der alle Träume etwas kosten.
Eine gute Tagesreise, weiter war es nicht, leider,
doch ich fühlte mich wie ein Easy Rider.
Auch wirkte ich von außen gesehen etwas proper,
doch im Herzen, da war mir, als wär' ich Dennis Hopper.
Davon träumte ich länger als zwanzig Jahr:
einmal mit dem Motorrad durch die USA.
Zugegeben, nicht nur mein Traum, auch mein Kopf hatte Haare gelassen.
Statt einer Harley Davidson fuhr ich einen Wagen der mittleren Klassen.
Aber wenn ich die Fenster hinunterdrehte
und den Körper über das Lenkrad lehnte,
fühlte ich, wie meine Seele sich dehnte
und hinauswuchs über die krumme Natur - und Flügel bekam
und zu schweben begann.
Ob Motorrad, ob Auto war plötzlich einerlei,
und die weite Welt strich an mir vorbei.
Nur wer in Bewegung ist, fühlt sich frei.

Es muß so an der Grenze zu New Jersey gewesen sein.
Da füllte ich ins Auto gut sechzig Gallonen ein.
Ich war abgefahren von der Autobahn,
weil das Benzin ausging und eine Tankstelle kam.
Ein heißer, trock'ner Wind fuhr mir ins Gesicht,
voll mit Dieseldampf und Staub und Sand und einem Gedicht
von der Fahrt durch die rote, steinige Wüste,
unendlich weit zur kalifornischen Küste.
Da sah ich direkt vor mir
ein Schild mit der Aufschrift Budweiser Bier.
Das swingte, das rockte, das war ein HipHop,
war Chicago Blues, Dixieland und Woodstock Pop.
Ich war bester Stimmung und genehmigte mir
eine Dose gut gekühltes Budweiser Bier.
Bud, Bud, gutes altes Bud,
das zwar grauslich schmeckt, aber irgendetwas hat.
Ich setzte mich ins Auto, begann Bier zu saufen,
schloß die Fenster und ließ die Klimaanlage laufen.
Ich warf die Dosen in die Luft, ich fing sie wieder auf.
Ich drückte meine Wange auf das feuchte - Aluminium drauf.
Bud, Bud, gutes altes Bud,
das zwar grauslich schmeckt, aber irgendetwas hat.
Sollte ich alles noch echter machen?
Einen Hamburger holen und ähnliche Sachen?
Wieder stellte ich mir Dennis Hopper vor,
er kommt mit der heißen Ware zu mir an das Tor
und wir dreh'n uns einen Joint wie ein Ofenrohr.
Get-your-motor-running Dennis Hopper war nicht hier,
aber herrlich gurgelte das Budweiser Bier.
Ich streckte mich durch und dachte dabei,
bring die Seele in Bewegung und du fühlst dich frei.

Da klopfte es plötzlich an die Autotür,
ein Cop, ein Cop, ein Cop stand vor mir.
Mit Cowboyhut, Pistole und Funkgerät,
mit Handschellen, Schlagstock und Patronenset.
Ein Cop mit Sheriff-Stern, ein Cop mit Biß,
ein Cop, der mich aus meinen Träumen riß.
Es war wie wenn ein Gangster aus der Leinwand steigt
und unten im Saal seine Schießkünste zeigt.
Sofort war mir klar, jetzt bin ich dran,
irgendetwas hab' ich sicher falsch getan.
Besitz ich überhaupt einen Führerschein?
Blinken die Blinker, wirft der Scheinwerfer Schein?
Habe ich eine Bank überfallen,
ein Kindlein entführt, oder gleich allen
Schaden zugefügt als Umwelttäter, Blumenzertreter,
Sauerstoffverbraucher und Kettenraucher.
Oh wie ich mich hasse,
als ich endlich erfasse,
daß ich Sauerstoff verprasse,
weil ich am Stand den Motor laufen lasse.
Oh wie ich mich hasse, hasse, hasse.
Die schöne Stadt New York war schon zum Greifen nah,
doch nun greift ein Cop nach mir, ein Cop ist da.
Von Freiheit vergeht dir jedes Gespür,
hast du einen Cop vor der Autotür.
Bewegung, Bewegung in die starre Lage.
Der Cop starrt herein, und ich weiß nicht, was ich sage.
Ich geb' mir einen Stoß, trinke einen Schluck Bier,
dreh' das Fenster herunter, schau' dem Mann ins Visier.
Bewegung, Bewegung, Bewegung mal drei,
steht ein Cop vor der Tür, macht nur Bewegung dich frei.

(...)


Pressestimmen:

"Columbus & Co. haben wenig zu melden, wenn der Autor Josef Haslinger mit den Posaunisten Bertl Mütter und Werner Puntigam auf Entdeckungsreise geht. Österreich trifft Nashville. Literatur rangelt mit Musik. Alle je gedachten Postkartenbilder von Amerika flattern einem als Tonschnipsel um die Ohren. (...) Romantisch-naiver Freiheitssucher stolpert von einer Polizeiwache in die nächste, sinkt vom U-Bahnnetz bis in die Unterwelt und steigt schließlich in den (Flug)-Himmel auf. Da will er nicht mehr weg. Verständlich. Ganz ruhig gehen Haslingers Texte ihren Erzählweg. Aber Amerika ist laut. Countrydudel, Hymnenpathos und Gospelschmelz - dazwischen brummende Flieger, stöhnende Penner, Geblubber, Geklapper. Was Puntigam und Mütter mit Luft und Stimme, Instrument und Requisiten veranstalten, das ist mehr als eine Text-Illustration. Klangfetzen schwimmen gegen den Erzählfluß an, Luftbilder drängen sich in die Eindrücke des Autors, "Glory Glory Halleluja" tönt schräg gegen den Alltag zwischen Budweiser und Autoklau an. Das ist Literatur im Zweikanalton. Aufregend und anstrengend, lebendig und zu allem Glück auch humorvoll. Haslinger sieht mit Basecape eben auch nicht intelligenter aus als jeder andere. Und wenn ihm die Geschichte vom Easy-Rider-Verschnitt im Rap-Stakkato aus dem Mund purzelt, die Wörter auffahren wie bei einem Massencrash, dann wird die Story packender als jedes beliebige Popvideo. Am Ende sind nicht nur die Protagonisten auf der Bühne ein wenig atemlos. Literatur inszenieren, das ist absolut nicht neu. Aber bei Haslinger und Mütter/Puntigam blieb die Literatur, was sie ist - genauso wie die Laut-Kunst. Und trotzdem schlossen sich beide zusammen - aufdringlich frei. Eine amerikanische Entdeckung?"
Evelyn ter Vehn / LEIPZIGER VOLKSZEITUNG

"(...) Mit geschärftem Sinn für das Skurrile und Groteske berichtete Haslinger von bemerkenswerten Begegnungen mit Nachfahren emigrierter Wiener, sentimentalen Polizisten und den Eigenheiten des amerikanischen Alltags. Mütter und Puntigam sorgten dazu und dazwischen für außergewöhnliche Klänge, die den Traum der Literaturvermittler von einer Lesung der besonderen Art in jeder Hinsicht in Erfüllung gehen ließ."
sed, OÖ-NACHRICHTEN


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Fotos © by Victoria Coeln / Werner Puntigam