LESERBRIEFE

Bitte um Entschuldigung
... lieber Matti Link, daß ich Dir und Deinigem Link-Herz einen solchenen Schandartikel zugemutet habe. Als ich Deinigen Artikel im Hillinger gelesen habe, fiel es mir wie Schuppen von den Augen, und am liebsten hätte ich mich in den Arsch gebissen vor Wut über meinige blödsinnigen Schreibereien. Aber weißt Du, ich kann eigentlich gar nicht so viel dafür, ich bin halt nur ein Bub vom Land. Aber so gesetzeskonform, wie Du es mir vorwirfst, bin ich dann doch nicht. Ich fahre nämlich öfters, auch am hellichten Tag, bei Rot über die Ampel, und schiffe auch hie und da aus Protest in den Stadtbrunnen. Aber sonst hast du natürlich vollkommen recht, und ich bin zumindest froh darüber, daß solche Deppen wie meiner einer zumindest recht rar sind.
Ich hätte aber zum Schluß noch eine kleine, bescheidene Bitte an Dich. Wenn ich das nächste Mal etwas schreibe, darf ich Dich dann vorher besuchen, damit Du mir ein wenig erzählst, wie die Welt wirklich ist. Danke im voraus und nochmals - Bitte um Entschuldigung
Horsti Scheiböck


Freigeist!
Hallo Matti ... Junge! Du brauchst Dich ja nicht gleich so zu schrecken ... Komm ´raus aus Deinem Eck! Was? Du verträgst kein Licht! Ich sehe den kalten Schweiß auf Deiner Stirn. Ich sehe Deine rotgeäderten Augäpfel. Was´n los? ... Alle Welt ist gegen Dich? Sie ist böse, durchtrieben, sie ist unvernünftig, sie ist chaotisch? Kurzum: sie ist schlecht? Und Du bist ihr Schlächter? ... Du zitterst ja! Warum ...?
mann mit radio Du stellst Dich selbst immer ins Eck`und dann fängst Du an, wie wild um Dich zu schlagen. Und was machst Du? Wortschaum. Whow! Was für Wörter! Und wohin die wuchern? Keiner, der irgendeinen Gedanken und also seine freie Meinung äußern darf, der nicht gleich ein "komischer Wurschtel", ein Depp oder ein "Schrebergärtner" ist ... (was hast Du gegen Schrebergärtner?)
Super, ja, komm ... gib´s ihnen. Immer feste druff ...
Ich finde Deinen Mut zur Radikaleloquenz echt toll. Vor allem, weil Du ganz super zeigst, wie perfekt Du die Sprache jener beherrscht, auf die Du - wenn sie gegen Dich und Dein Tun angewandt wird - sehr sensibel reagierst.
Das finde ich spannend, weil mich fast interessieren könnte, wie Du das in Dir selbst vereinst. Selbst austeilen und nix einstecken! Das kenne ich von wo, Du weißt schon ... von Jörgl und den seinen ...
Du, noch etwas: eigentlich finde ich es ja toll, daß Du auf andere Sachen, die Du liest, eingehst. Ich habe ein Faible für ein diskursives Wechselspiel, weil sich für mich darin ganz wesentlich Demokratie manifestiert. Weißt Du, das bringt uns nämlich weiter, Meinung und Meinung, deckungsgleich und widersprüchlich. In unserer Demokratie geht beides, gilt beides. Es ist nur eine Frage der Toleranz. In unserer Demokratie ist das möglich. Nur für Dich und "hillinger" nicht.
Achja, Du, kannst Du den anderen "hillingers" sagen, daß Sie das Exemplar , auf das sie immer meine Adresse klebten, damit´s zu mir kommt, einem allgemeinen Zugriff irgendwo durch irgendwen offenbaren wollen?
Ich hab auf den "hillinger" verzichten gelernt. Es fällt mir nicht schwer.
Peter Klimitsch

Herr Klimitsch!
"Was wollen Sie in uns hineinwerfen mit Ihrem Brief, wenn nicht ein kleines Ressentiment?"
k.h., zit. nach Deleuze


Liebe Redaktion des hillinger,
nach dem letzten Rundumschlag Eures freizüngelnden Mitarbeiters Matti Link muß ich Euch leider mitteilen, daß ich den hillinger fortan nicht mehr beziehen möchte. Undifferenzierte Betrachtungen und Beleidigungen, die sich mittels "aktueller Thematik" in ihrer eindeutig gnadenlos zensurierenden Kraft tarnnen, Untergriffe, die journalistischer Pflicht zu Sorgfalt und Vermittlung abhold sind, letztlich eine Wortwahl, die sich der Rechten entlehnt, all das ergibt für mich keine Notwendigkeit, hier weitere Aufmerksamkeit aufzubringen. Es ist bedauerlich, daß sich eine Stadtzeitung mit Billigem begnügen muß. Noch bedauerlicher, daß sich eine progressive Szene mit engstirnigem Polemisieren - Motto "Einer/Wir gegen alle, die anders sind" - begnügt.
Ich habe den Eindruck, daß neben der proklamierten Blattlinie - die Förderung österreichischer Kunst und Kultur - die Linie der Diffamierung (einzelner Personen) im Sinne einer Untergrabung der Meinungsvielfalt eingeschlagen wurde. Daß sich Herr Link eines von der öffentlichen Hand subventionierten und (scheint`s pragmatisierten) Postens (…) erfreut, vermag ihm nicht so gut zu tun. Merkt also: Subvention schützt vor Langeweile nicht - und, um am konkreten Beispiel zu bleiben, davon hat Herr Link zwischen seinen imponierenden Ergüssen anscheinend genug.
Freilich laufe ich Gefahr, daß ich mit diesem Schreiben den "humanitären Sendungen" des rechten Herren ausgesetzt werde - vorerst aber kommt mir kein hillinger mehr in mein Haus.
Elisabeth Vera Rathenböck


Liebe Redaktion!
Ich halte Eure Zeitung optisch, besonders was Layout und Cartoons betrifft, für sehr gut gelungen. Die Features über Linzer Künstler und Musiker sind eine wahre Freude und auch der Rest der Beiträge ist zumindest meistens diesseits der Peinlichkeitsschranke angesiedelt.
Aber andererseits: ich halte den Matti Link nicht mehr aus ... lieber Herr Holzinger, schick deinen Knecht Matti doch dorthin, wo der (rote?) Pfeffer wächst!
Da stolpert einer mit Holzhammer und Knochensichel durch den Wörterwald und gibt dabei schlampigen Stil und eingeschränkte Artikulationsfähigkeit als politisches Bewußtsein aus. Hysterisches Gewimmer, Watschendrohungen an Leserbriefschreiber, infantile Beschimpfungen - man glaubt, die Vereinspostille einer skin-gang in Händen zu halten. Liebe Redaktion: schenkt dem kleinen Matti doch ein Telephonbuch oder zumindest ein Bussi Bär - Heft: er sollte ahnen, daß es neben dem Staberl-Jargon auch noch andere Möglichkeiten der sprachlichen Gestaltung gibt.
In der letzten Nummer (März 96) hat er es denn gar auf Häuslbauer und Nebenerwerbsbauern abgesehen. Diese werden als Exponenten eines vertrottelten Staatsvolkes hingestellt - ein wahrhaft großer Gedanke des realen Stupidismus: Hut ab und Narrenkappe auf! Mit dieser Nummer hätte er beim Villacher Fasching gewiß das passende Publikum. Und - wo er doch so geil darauf ist, irgendwelche Autos anzuzünden, wenn ihm die Budgetpolitik der Bundesregierung auf den verkaterten Magen drückt - sagt ihm bitte, daß ich meine Kiste noch brauche, weil ich damit meine Fratzen und die Oma herumkutschieren muß.
Kurt Schaller

Lieber Kurt Schaller,
Du brauchst Dir in Unterweitersfeld nicht weiters einen Kopf daraus machen, ob Dein Häusl respektiveAuto angezündet werden könnte, gelt? Matti Link ist weder mein noch irgendeines Herren Knecht; aber, doch!, Du schreibst sehr schön. Schreib uns doch bald mal wieder was.
mfg k.h.


Lieber hillinger!
Du wirst immer besser! Das ist eine ganz subjektive Feststellung, du warst immer gut, Dein Stil und die ganze Aufmachung des Blattes haben mir immer gefallen.
Einige Deiner Artikel, Informationen und Interviews waren mir stets wichtig. Aber ich bin Pensionistin und schon ziemlich alt, so kannst Du verstehen, daß ich manches in Deinem Blatt nicht geistig verwerten kann. Jedenfalls ist es die beste Zeitung, die in Linz erscheint.
Gute politische Artikel erhielt ich bisher nur aus Wien in Form von Flugis. Die Wiener werden sich ebenso wie ich über diesen hillinger freuen.
Die "nr3März96" hat mich hellauf begeistert wegen der Seiten 6,7. Ich habe deshalb 4 Exemplare davon bestellt und prompt bekommen, noch bevor das Sparpaket und seine Konstrukteure zusammengebrochen sind.
Besonders den Artikel von Andreas Wahl will ich meinen Freunden nicht vorenthalten. Über das Sparpaket wird ja doch ab und zu, leider viel zu selten, diskutiert; so oft ich Gelegenheit habe, äußere ich mich dazu: "Kennt ihr den letzten hillinger? Habt ihr noch nichts vom Rinderwahnsinn gehört?" Ich wundere mich, wie viele Leute den hillinger nicht kennen und mit blankem Entsetzen muß ich feststellen, wie viele Österreicher tatsächlich vom Rinderwahnsinn befallen sind.
Auch der Beitrag von Matti Link spricht mir aus der Seele.
In der frohen Hoffnung, daß der hillinger weiterhin so interessant für mich bleibt, überweise ich 260,- ÖS, davon sind 60,- ÖS für die erhaltenen 4 Nachbestellungen + Porto und 200,- ÖS für ein Abo ab April.
Erika Zendron

Liebe Frau Zendron,
Ihr werter Brief wurde vom hillinger ganz fest ins Herz geschlossen und zum LeserInnenbrief des Monats gekürt.
Und allen anderen LesererInnen sollte er als Beispiel dienen. Sie sollten abonnieren, jetzt! Oder den kleinen Schritt tun und endlich das Gratisabo abbestellen, finden Sie nicht auch?
Und Sie, liebe Frau Zendron, sind herzlich eingeladen, uns bald wieder zu schreiben, was ihnen gefällt oder auch nicht gefällt,
hochachtungsvoll k.h. für red.


APRIL 96


wir lesen hören schauen linz