Das www erfüllt in diesen künstlerischen Arbeiten verschiedene Aufgaben. Als komplexer
Zugang zu aufbereiteten Informationen (PLOT) als Medium, das mit Buch, Ton und
Rauminstallation in Beziehung steht (READING ROOM), als Auseinandersetzung mit
Ort und Material (STRAND), als Zugang und Umweg zu Literatur (DOMINOA) In der
Rolle als Speicher, erhält er die Bedeutung durch die Subjektivität der jeweiligen
Benutzer und Benutzerinnen. http://www.yorku.ca/BodyMissing/artists/plot Betty
Spackman / Anja Westerfrölke 1996 "
PLOT", Internet-site in 'Body Missing' von Vera Frenkel: PLOT vergleicht den
Umgang mit unserer Geschichte mit der Arbeit im Garten. Analog zur Schaufel, die
den Boden im Garten bearbeitet, werden Informationen über den Verbleib von Kunstwerken
nach 1945, über Adolf Hitler, seine Beziehung zu Linz und über sein Verhältnis
zur Kunst mit den interaktiven Möglichkeiten des Internets aufbereitet. Texte
der Künstlerinnen werden mit dem Computer (und seiner Verwendung bei Spielen und
Archiven) in direkte Beziehung zu geschichtlichen Informationen gesetzt. PLOT
ist eine eigenständige website im Rahmen von 'Body Missing' und kann an den verschiedenen
'Grabungsstellen' (digging sites) besucht werden. http://www.aec.at/fleshfactor/readingroom
Betty Spackman / Anja Westerfrölke 1997 "
READING ROOM" ist ein Projekt in verschiedenen Medien, das mehrere Aspekte
einer Bibliothek thematisiert : Das Lagern und Speichern von Information, die
Rolle des Gedächtnisses, der kulturelle Hintergrund, das Verhältnis von Bibliothek
und Kunstgalerie und deren Bedeutung als öffentliche Institutionen. Die über 140
mündlich erzählten Geschichten, die für READING ROOM gesammelt wurden, stammen
von europäischen Immigranten und deren Nachfahren, die sich seit der Jahrhundertwende
im Westen Kanadas angesiedelt haben. Und wie bei den meisten Familiengeschichten
berichten sie das Gewöhnliche genauso wie das Außergewöhnliche. Einige dieser
Geschichten sind erfunden und mischen sich anonym unter die anderen. Sie erinnern
an die Ungenauigkeit und die Subjektivität des Gedächtnisses, an die seltsame
Dialektik zwischen "Tatsache" und "Erfindung". Dazu kommen auch noch Geschichten
von Karl May, der mit seinen Erzählungen den subjektiven Erfahrungen der Einwanderer
gegenübergestellt sind. In allen Geschichten steht ein bestimmter Alltagsgegenstand
im Mittelpunkt, der durch eine Zeichnung abgebildet ist und mit einer dazugehörenden
Nummer eine Struktur für die READING ROOM Bibliothek anbietet. Die Leser und Leserinnen
wählen entweder diesen 'linearen' Katalog oder sie begeben sich gleich in den
Lesesaal (READING ROOM) um zu schmökern, und sich eine Erinnerung im virtuellen
Raum auszuborgen. Auf der Einstiegseite ist es möglich mit "die Geschichten" eine
Vernetzung verschiedenster Geschichten, mit "die Geschichte" Hintergründe und
Informationen zu der Thematik und zu den Ausstellungsorten auszuwählen. Der wilde
Westen, die Ausschnitte aus den Reiseerzählungen von Karl May, lassen sich nur
finden, wenn Sie in den READING ROOM einsteigen. http://www.artphalanx.at/projekte/arttraffic/strand
Betty Spackman / Anja Westerfrölke 1999 "STRAND",
Objekte und Internet-site: 75 verschiedene Objekte, gefunden am Strand von Toronto
in Kanada, wurden beim Projekt `arttraffic` in Wien vertrieben. Jedes Objekt korrespondiert
durch ein bestimmtes Wort mit einem Satz in der website. Werden alle Objekte gesehen,
entsteht der Text. Auf der Startseite kann der Einstieg in verschiedene Objektserien
gewählt werden, ebenso Hintergrundinformationen oder die zu sammelnden Sätze.
http://www.servus.at/dominoa/ 2000 "dominoa",
Literaturspiel Projektgruppe: Petra Harml-Prinz, Angelika Mittelmann, Renate Plöchl,
Ilse Wagner, Anja Westerfrölke. "Texte von sieben österreichischen Autorinnen
werden in verschiedenen Stufen der Vergrößerung gesehen. Diese Felder lassen sich
wie bei einem Dominospiel aneinanderreihen. Welche wählen Sie davon aus ? Wieviel
haben Sie gelesen?" Neben diesen Worten auf der Startseite können die Benutzer
und Benutzerinnen dominoa dort starten oder Hintergrundinformationen zu Spiel,
Projektgruppe und Technik erhalten. Text war immer auch schon Bild. Das Medium
Internet stellt dieses nun erneut in den Mittelpunkt: Text setzt sich ständig
neu zusammen, wird in seiner Größe und in seinem Format verändert, ist in Bewegung.
Es entsteht eine veränderte Aufmerksamkeit. Verändern sich dadurch auch die Texte?
Gewinnen Fragen der Präsentation und der Repräsentation für die Autorinnen mit
diesem Medium an Bedeutung? Diese Aspekte werden bei dominoa zum Thema. Das Spiel
in den verschiedenen Varianten, Texte, die visuell gleichwertig nebeneinander
gestellt sind, und als Belohnung einen Einblick in die Struktur der Website, bieten
einen Zugang zu Literatur in diesem Medium.