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3 Jahre "KARTELL":
das Offene Forum Freie Szene zieht Bilanz

1998 starten die ersten Diskussionen um den Kulturentwicklungsplan. Kulturinitativen und KünstlerInnen wurden eingeladen. Rückenwind gab's damals durch das Stattfinden des europäischen Kulturmonats. Als der Wirbel vorbei war, begann man sich intensiv auf die Diskussionen für den Kulturentwcklungsplan zu konzentrieren und abseits der offiziellen Diskussion eine eigene in der Szene selbst zu führen. Ziel war eine zentralere Rolle bei der Entwicklung der Stadt Linz zu spielen, konnte doch beim europäischen Kulturmonat erneut der Beweis angetreten werden, daß das Potential dafür vorhanden ist. Daraus entwickelte sich das Positionspapier der Freien Szene, das auch in seinen wesentlichen Punkten in den Kulturentwicklungsplan Eingang fand. Die "Förderung der Freien Szene" als eine der Leitlinien für die kulturelle Entwicklung der Stadt.

Der Kulturentwicklungsplan wurde zwar vom Gemeinderat beschlossen. Die Knochen-Arbeit beginnt aber erst mit der Einforderung dieser Beschlüsse. Forderungen wurden im Rahmen dieser kulturpolitischen Diskussion auch an das Land OÖ und die Kunstsektion im Bundeskanzleramt gestellt. Seitens des Landes wurde das Kulturbudget erhöht. Die Landes-SPÖ gab Wohnbaugelder für die "Freie Szene". Auf Initiative der Szene und mit dem Einverständnis des Landeshauptmannes und Kulturreferenten Pühringer wurde ein Impulstopf-Pilotprojekt gestartet. Ein neuer Topf, wie im Positionspapier gefordert, wurde jedoch bis dato noch nicht eingerichtet. Anträge in der Höhe von 20 Millionen Schilling aus der Freien Szene wurden von der Kupf gesammelt und von einer Jury ausgewählt. Was von diesen von der Jury empfohlenen Projekten tatsächlich umgesetzt wurde, und welche andere Projekte unter dem Titel "Impulstopf" vom Land gefördert wurden, ist bis heute nicht ganz durchschaubar. Aber es gab zusätzliche Mittel für Zeitkultur in Millionenhöhe. 2001 sollten wiederum Fördermittel gemäß den Richtlinien dieses Impulstopfes vergeben werden. Der konstruktive Vorschlag, die Entscheidungsfindung der Kulturdirektion bei der Vergabe von Förderungen von Projekten durch einen Aktivbeirat zu unterstützen, findet vorerst keinen politischen Willen seitens der Landesregierung. Ein Aktivbeirat sollte Projekte prüfen, Empfehlungen der Kulturdirektion vorlegen und auch aktiv die Projekte begleiten. Ein Aktivbeirat wäre auch eine grosse Chance, die Arbeit der Kulturdirektion zu erleichtern und direkter zwischen Fördernehmer und Fördergeber zu vermitteln. Die nächsten Schritte der Freien Szene werden sich nun darauf konzentrieren, zu überprüfen, ob wirklich nach den vorgeschlagenen Richtlinien gefördert wird.

Ein erster finanzieller Erfolg wurde auch bei der Stadt Linz erzielt. Im Anschluß an eine öffentliche Diskussion im Dezember 2000, mt dem Titel "Der Schein trügt - Die Zukunft des Linzer Kulturentwicklungsplans. Die Politik ist gefragt!" verkündete Kulturstadtrat Dr. Dyk, daß es eine Million Schilling zusätzlich zu den bestehenden Förderungen geben werde und lud VertreterInnen der Freien Szene ein, darüber mitzuentscheiden, wofür das Geld verwendet werden soll. Die Entscheidung in der Freien Szene fiel im Sinne einer "Internationalisierung" bzw. Öffnung, Ausslandsstipendien wurden ausgeschrieben. Allerdings mit der Bedingung, daß die Jury bei der Entscheidung darauf Wert legen sollte, daß die Auswahl zugunsten jener getroffen wird, die in der Szene selbst vernetzt sind. Von den Erfahrungen der Stipendiaten sollen die in der Stadt Linz arbeitenden Kunst- und Kulturschaffenden mitprofitieren. Das erzielte Know How soll also auch der Stadt Linz zugute kommen.

Das Projekt "Auslandsstipendien" war ein voller Erfolg und die Stadt Linz möchte es gerne fortsetzen. Da realistischerweise aber nicht anzunehmen ist, daß dieses erste "Impulstopfgeld" kurzfristig weiter erhöht werden wird, wurde nun seitens der Szene diskutiert, daß diese Million nächstes Jahr eine andere Widmung erhalten soll. Es soll einem der anderen im Positionspapier formulierten Punkt zugute kommen, nämlich der verstärkten Förderung der bestehenden Strukturen. Wünschenswert wäre natürlich, daß beides funktioniert.

Die "freie Szene" hat mittlerweile einen Jour Fixe eingeführt. Treffen sind jeden ersten Montag im Monat. Es ist eine Plattform, wo nicht nur kulturpolitische Diskussionen geführt werden, sondern auch auf die Vernetzung ein wichtiges Augenmerk gelegt wird. Aktuelles Thema ist die Bewerbung der Stadt Linz als Kulturhauptstadt für das Jahr 2009. Die "Freie Szene" hat ein klares Interesse, sich hier zu engagieren. Es wäre sowohl für Linz als auch die Szene selbst eine vielversprechende Chance. Mehrere ExponentInnen der Freien Szene sind auch in den neu gegründeten Stadtkulturbeirat gewählt worden. Die regelmäßigen Zusammenkünfte am Monatsbeginn dienen letztendlich auch strategischen und inhaltlichen Diskussionen, wie die Freie Szene im Hinblick auf die kulturelle Entwicklung der Stadt weiterhin kreativen und ihr förderlichen Input leisten, und gleichzeitig das eigene Profil stärken kann, um als selbstbewußteR PartnerIn in der kulturellen Zukunft der Stadt und des Landes wahrgenommen zu werden.

in memoriam Just Merit!