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Kommunikationsbasis
in der Kunst- und Kulturszene gefährdet.
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Die Finanzierung
der Netzkulturinitiativen und der Freien Radios scheint gefährdet.
Obwohl es noch keine offiziellen Termine mit den zuständigen
Staatssekretär Franz Morak gab, lassen seine Wortmeldungen etwa
im Kulturausschuss nichts Gutes für die Finanzierung der Bereiche
ahnen, nachdem die Neuen Medien in keinen Regelbudgets verankert sind,
drohen die allgemeinen Kürzungen in diesen Bereichen mit 100%
zu Buche zu schlagen. Vor allem stellt Staatssekretär Morak den
Zusammenhang mit Kunst und Kultur in Frage.
Dem ist entgegen zu halten, dass schon beginnend mit der Ankündigung
von Kunst- und Kulturveranstaltungen über Kulturvermittlung bis
zur Nutzung von Medien im Sinne erweiterter Bühnen für künstlerischen
und kulturelle Ausdrucksformen Kommunikation und die Nutzung von Kommunikationsmittel
essentieller Teil künstlerischer und kultureller Tätigkeit
ist.
Na
dann Grüss Gott in Österreich 2
Jahre Freie Radios on air
Na dann, "Grüß
Gott in Österreich!"
Ein
Beitrag von Thomas Lehner
"Wer
glaubt, auf die Entwicklung des kommerziellen Marktes setzen zu können
und damit spekuliert, dass sich daraus die Bedingungen für die
Beteiligung der Kunst und Kultur im Cyberspace und den neuen Medien
verbessern würden, begeht einen folgenschweren Irrtum."
(Thomas
Lehner)
Das
Projekt "servus.at - OÖ Kunst und Kultur im Netz" ist
trotz der rasanten allgemeinen Entwicklung und der Dynamik, die sich
aus der Materie der "Telekommunikations- und Informationsgesellschaft"
heraus ergeben, ein nicht mehr wegzudenkender Knoten und eine leistungsfähige
Operationsbasis für das zeitgenössische Kunst- und Kulturschaffen
in Oberösterreich geworden. Ein lebendiges Beispiel für
eine selbstverwaltete Internet-Infrastruktur, ein gemeinnützig
organisierter und dem Public Access gewidmeter "Internetknoten"
für Kunst- und Kulturschaffende, welcher Access, ausreichend
Bandbreiten und in einem Clubraum die notwendige Produktionsinfrastruktur
für seine Mitglieder zur Verfügung stellt. Mit den Tendenzen
der neuen Regierung, die Verantwortung für die Rahmenbedingung
von Kunst und Kultur der Wirtschaft zu übertragen, sind Unternehmungen
wie servus.at gefährdet.
"WB: Glauben Sie nicht, dass das Internet, wenn man die Entwicklung
sich
selbst überlässt, noch länger ein Medium für Besserverdiener
oder technisch
Versierte bleibt?
Michael Schmid: Der freie Zugang zu ein und derselben Möglichkeit
funktioniert nicht. Dieser permanente Versuch der ehemaligen Regierung,
alles zu nivellieren und mit Quersubventionen auszugleichen, hat ja
dazu geführt, dass unser Budget jetzt so dasteht. Der Staat muss
endlich aufhören, sich überall einzumischen. Man muss die
Spielregeln vielmehr so aufstellen, dass jeder die Möglichkeit
hat, besser zu verdienen."
(aus einem Interview mit Infrastruktur-Minister Schmidt [Wirtschaftblatt,
10.3.2000])
"Energie- Informationstransport ist eine öffentliche Aufgabe,
die zur allgemeinheitlichen Nutzung zur Verfügung stehen muß,
und nicht nur zur Bereicherung und Machtausübung einzelner dienen
kann. Das war auch schon die Ausgangsbasis für die Erfindung
des Wechselstroms durch Nicola Tesla. Eigentlich." (Zitat Prof.
Anthony Baxter)
österreichischer Frühling 2000
Zu den uns umgebenden Bedingungen, die die Materie stark beeinflussen,
ist die rasante Entwicklung auf dem Gebiet der kommerziellen Serviceanbieter
zu zählen. Multikonzerne killen nicht nur die "kleineren",
sondern versuchen auch den wenigen öffentlichen Bereichen die
Grundlage zu entziehen. Die ja eigentlich noch staatliche Telekom
nutzt ihre noch bestehende Leitungshoheit und ihr Monopol auf Richtfunk
und Wählämter, um sich einen Wettbewerbsvorsprung gegenüber
den privaten Anbietern zu verschaffen. Multinationale Konzerne, z.B.
aus der Pharma -Industrie, kaufen auf, was sie kriegen können
und besitzen schon heute meist größere Marktanteile als
Unternehmen, die aus der IT-Branche selber heraus entstanden sind.
Selbst die größten österreichischen Provider müssen
sich vereinigen, um nicht in den Wogen eines derart globalen Marktes
unterzugehen. America-Online fusioniert mit Time-Warner und vieles
mehr.
Diese Dynamik verspricht zwar aufgrund der Prinzipien des Wettbewerbs,
daß Preise sinken werden. Das ist allerdings zum einen Spekulation
und zum anderen ist beispielsweise die Ware: "internationaler
Traffic", als auch Leitungsverbindungen mit höherer Bandbreite,
die in vielen Fällen Grundlage für so manche nicht realisierbare
Projekte wären, nach wie vor derart kostspielig, dass, selbst
wenn sich hier die Kosten um ein Vielfaches reduzieren, noch immer
mangelhafte Bedingungen für avanciertere Netz-Kunst-Projekte
herrschen.
Die notwendigen Mittel in Bezug zu den Tarifen auf Bandbreite und
Traffic, sind aus den bestehenden Budgets nicht wirklich ausreichend
finanzierbar. Die Dynamik der internationalen Entwicklungen kann insofern
nur beschränkt zur Linderung unserer Sorgen beitragen. Dazu ein
Beispiel aus dem Alltag. Wenn jemand einen Server betreibt, ein interessantes
Projekt darauf konstruiert, welches sich so erfolgreich entwickelt,
daß massive internationale Zugriffe die Folge sind, kann der
Betreiber rasch aufgrund des zu bezahlenden international-incoming
traffic in ernsthafte finanzielle Schwierigkeiten gelangen und so
gezwungen sein, das Projekt abbrechen zu müssen. Die einzige
Option, die die Gesetzmässigkeiten eines kommerziell dominierten
Informations- und Kommunikationsmarktes in so einem Fall bietet, ist,
sich als Werbeträger zu verkaufen, wenn es einem gelingt. Ob
bezahlte Links zu pornographischen-IT-services auf der Frontseite
eines Kunst oder Kulturwebprojekts, im Sinne einer unabhängigen
und freien Kunstproduktion, Sinn machen, ist fragwürdig.
Wer glaubt, auf die Entwicklung des kommerziellen Marktes setzen zu
können und damit spekuliert, dass sich daraus die Bedingungen
für die Beteiligung der Kunst und Kultur im Cyberspace und den
neuen Medien verbessern würden, begeht einen folgenschweren Irrtum.
So zum Beispiel sind die viel gepriesenen, von Einkaufsketten und
ähnlichen Firmen angebotenen Billig- und Gratisaccounts meist
bei näherer Betrachtung oft nur Lockangebote und Kundenfallen
und können nur selten das halten, was ihre Promotion verspricht.
Vor allem bieten derartige Produkte in keiner Weise die Voraussetzungen
für eine zu entwickelnde Umgebung, die es erlaubt, künstlerisch
im und mit dem Netz zu agieren. Für einen produktiven Umgang
mit dem Medium ist es notwendig, auch Zugriff auf die Instrumente,
die es ausmachen, zu haben um auch aktiv damit arbeiten zu können.
Es ist eine Voraussetzung, daß die Werkzeuge wie Serverfunktionen
durch die Anforderungen aus der künstlerisch motivierten Arbeit
heraus bestimmt werden, damit Künstler und Kulturschaffende nicht
darauf reduziert (eingeschränkt?) sind, nur im vorgegebenen Raster
eines Weltbildes von Microsoft und ähnlichen ihre Farbelemente
auf dem Tapet einfügen zu dürfen. Wenn es um Software geht,
muß es möglich sein, auch im Sourcecode Anpassungen an
Programmen durchführen zu können. Wenn es um Server geht,
muß auch der Zugriff auf die Funktionen des Servers gewährleistet
sein und vieles mehr.
An dieser Stelle ist es auch notwendig darauf hinzuweisen, daß
derartige konsumorientierte "Billig"-Zugangsmöglichkeiten
zum Internetz in den meisten Fällen nur deshalb so günstig
angeboten werden, weil sie den Betreibern zum Konsumentendatensammeln
dienen. Userdaten werden gespeichert, Scripts, die es erlauben, die
Festplatte des Anwenders (ohne sein Wissen!) auf für den kommerziellen
Markt und E-commerce wichtige Userdaten und Lizenzeinträge installierter
Software zu scannen, sind im Spiel. Userverhalten werden gelogt. Wer
wann wieviel auf was zugreift, wird mitprotokolliert und oder auch
bezahlt der User indirekt, indem er sich den Massenwerbesendungen,
die meist daraus resultieren, aussetzt. Hier wird der User nur als
passiver Konsument betrachtet und so seiner Mündigkeit beraubt.
Der Gedanke, dass sich derartige Anbindungskonzepte für die sogenannte
notwendige "community-bildung" eignen würden, wäre
eine grobe Fehleinschätzung. Hierzu ist schon einiges mehr nötig,
als services wie Unterhaltungs-chats auf Jugendseiten bieten zu können.
Eine verantwortungsvolle Anbindungspolitik für Netz.Kunst- und
Kulturprojekte erfordert leistbare Breitbandverbindungen unter den
Beteiligten Knoten und Zentren, die es zulassen, auch Bild- und Tonübertragungen
z.b. bei sogenannten webcasts, durchzuführen, ohnedaß man
alle 5 Minuten mit Bauchweh auf die Stoppuhr blicken muß.
Während die kommerziellen Entwicklungen eher den Zugriff der
Konzerne auf den User als Konsumenten, über private Daten bis
in die Geldbörse hinein, forcieren, ist es im Gegensatz dazu
aus Sicht einer möglichen Kunstentwicklung in diesem Sektor entscheidend
notwendig, als Produzierender selbst den Zugriff auf Funktionen und
Werkzeuge der Netzwerke zu haben. Die meisten kommerziellen Großprovider
lassen derartige Zugriffe kaum zu, die Angebote ihrer Dienste orientieren
sich an der breiten Masse und sind so kaum für die oft individuellen
Anforderungen, die sich aus einer kreativen Arbeit mit dem Medium
heraus ergeben, geeignet. Das produktive Potential des Users wird
hier oft nur in dessen Aktivität als reiner Konsument gesehen.
Um zu verdeutlichen, was das in der Praxis für die Kunstproduktion
bedeuten kann, kurz ein Vergleich: Wenn man diese Materie auf die
Produktion im klassischen Sinn der bildenden Kunst überträgt,
wäre das dann so, als dürfte der Kunstmaler nur über
eine Telefon-hotline vom Faber-konzern bitten, daß die gewünschte
Farbe auch auf dem gewünschten Fleck auf dem gewünschten
Untergrund aufgetragen wird. Nur was, wenn der Inhalt aus Sicht der
Telefonistin bei der Hotline sexistisch erscheint .....
Die Industrie versorgt uns nicht mit für unsere Arbeit notwendigen
Services und Instrumenten. Sie hat sich einer anderen Aufgabe unterworfen.
Nicht die Entwicklung von tauglicher und funktionsfähiger Software
und Betriebssystemen steht im Vordergrund ihrer Interessen, sondern
das Erobern möglichst großer Territorien auf dem Schlachtfeld
eines globalen kommerziellen Marktes.
2 Jahre Freie
Radios on air
Auch im Bereich Freier Radios ist die Situation bezüglich der
Finanzierung völlig offen. Die bereits im vergangenen Jahr gestellten
Anträge beim Bund sind bis heute nicht erledigt. Es gibt bis
dato keine Finanzierungszusagen. Auch was Morak sagt, beunruhigt:
Die wirklich freien Radios sind die Kommerziellen, denn die finanzieren
sich selbst. Und Minister Molterer versteht als demokratiepolitischen
Auftrag, die Medienvielfalt zu sichern. Er definiert Medienfreiheit
dadurch, dass eine möglichst große Vielfalt für den
Konsumenten besteht, was ja mit den Privatradios gelungen ist. Dass
diese dann einheitlich den gleichen Kommerz -Mainstream produzieren,
dürfte weniger beunruhigen. Für den Rest ist der ORF als
öffentlich rechtlicher Rundfunk zuständig, denn sein Programmauftrag
lautet Objektivität, Vielfalt, Vielfalt der Meinungen, Regionalität.
Freie Radios unterscheiden sich vom öffentlich-rechtlichen und
privat-kommerziellen Rundfunk dadurch, dass sie als einzige einen
freien Verkehr, dh. offenen Zugang zur Nutzung der Verkehrswege der
Frequenzen, leisten. Dh. jedem/jeder BürgerIn nach Maßgabe
der Möglichkeiten Zugang ermöglichen.
Der Beitrag der Freien Radios zur Meinungsvielfalt in Österreichs
Privatradiolandschaft ist evident. Zwei Jahre nach der Zulassung privaten
Hörfunks in Österreich steht ausser Frage, dass Freies Radio
das Spektrum an Möglichkeiten zur freien Meinungsäußerung
entscheidend verbreitert hat, und damit einen einzigartigen Beitrag
zur Meinungs- bzw. Medienvielfalt in Österreich leistet. Die
Praxis der letzten eineinhalb Jahre hat erwiesen, dass im wesentlichen
der Faktor Werbefreiheit eine unnachahmliche Offenheit bei der Programmierung
ermöglicht, welche die Freien Radios auszeichnet. Diese Offenheit
ermöglicht eine Programmvielfalt, die sich unter anderem durch
Mehrsprachigkeit, eine Musikauswahl von Klassik bis HipHop, Kinder-
und Seniorenprogramme und vor allem durch die Breite an kulturellen
und künstlerischen Sendungen
Zur Zeit befinden sich österreichweit neun Freie Radios in Betrieb,
die in Summe über eine technischen Reichweite von bundesweit
rund 2 Millionen Einwohner verfügen. Von diesen neun lizenzierten
Mitgliedern des Verbandes Freier Radios Österreich betreiben
4 Freie Radios täglich ein 24 Stunden-Vollprogramm (ORANGE 94.0,
Radio FRO 105.0, freequENNS 100.8, Radio Helsinki 92.6). Die beiden
freien Volksgruppenradios (AGORA 105.5, MORA 106.3) teilen sich jeweils
mit einem kommerziellen Anbieter ihre Frequenzen. Fensterradios sind:
Freies Radio Salzkammergut 100.2, PRO - TON 104.6, Radiofabrik 94.
Neben den sendenden Freien Radios vertritt der Verband Freie Radios
Österreich noch 5 Freie Radio-Projekte, welche sich zur Zeit
um eine Lizenz bewerben, bzw. im Rahmen von Eventfunk-Lizenzen bereits
für einige Wochen einen Sendebetrieb aufgenommen haben.
Auch wenn die Privatrundfunkbehörde den Freien Radios ausschliesslich
Lokalradiolizenzen zugewiesen hat, beschränkt sich ihr Wirken
keineswegs auf den lokalen Raum ihrer Versorgungsgebiete. Vor dem
Hintergrund einer technischen Reichweite von insgesamt ca. 2 Mio.
Einwohnern und der Tatsache, dass die Freien Radios auf vielen Ebenen
eng miteinander kooperieren, ist auch die bundesweite Relevanz ihrer
Tätigkeit zu sehen.
Als wahrscheinlich grösster Erfolg in der Umsetzung des Konzeptes
"Freies Radios" in Österreich ist die hohe Akzeptanz
der Bevölkerung gegenüber dem Prinzip des offenen Zugangs
("public access") zu werten. Mehr als 1000 Bürgerinnen
und Bürger sind bundesweit regelmäßig an der Programmgestaltung
in Freien Radios beteiligt. Das weist auf das evidente Mitteilungsbedürfnis
und den Gestaltungswillen der Bürgerinnen und Bürger hin.
Entsprechend dem Konzept Freier Radios erfahren diese - aus allen
Teilen der Bevölkerung stammenden - ehrenamtlichen ProgrammgestalterInnen
eine grundlegende Ausbildung zum Radiomachen (Studiotechnik, Medienrecht
etc.). Verantwortlich für die Aufrechterhaltung der Infrastruktur
und des laufenden Betriebs zeichnen zur Zeit ca. 30 Angestellte, in
deren Zuständigkeit auch die wirtschaftliche Leitung der neun
Freien Radios fällt.
Im Rahmen einer Erhebung des Ist-Zustandes muss auf die nach wie vor
mangelhaften gesetzlichen Rahmenbedingungen für den Betrieb von
Freien Radios in Österreich hingewiesen werden. Dem Verband Freier
Radios Österreich ist es zwar gelungen, eine Erwähnung Freier
Radios in den Erläuterungen des Regionalradiogesetzes (RRG) durchzusetzen,
im aktuellen Privatrundfunkgesetz (PRG, ehemals Regionalradiogesetz)
sind sie trotz des fast schon zweijährigen Sendebetriebs von
neun Freien Radios nach wie vor nicht verankert. Deshalb fordert der
Verband Freier Radios Österreich:
Gesetzliche Verankerung Freier Radios und der Minderheitenradios im
Privatrundfunkgesetz
Staatliche Förderung der Dienstleistung Freier Radios an der
Öffentlichkeit
Für das Jahr 2000 besteht ein Gesamtförderbedarf an Bundesmitteln
in der Höhe von ATS 7.000.000,-
Die Förderung Freier Radios aus Mitteln des Kunstförderungsbeitrags,
der gemeinsam mit den Rundfunkgebühren eingehoben wird, gilt
es mittelfristig gesetzlich zu verankern, indem rund 10 vH des gesamt
eingehobenen Kunstförderungsbeitrags eines Jahres der Programmförderung
nicht-kommerzieller Freier Radios gewidmet werden. Dem Hörer
soll durch die Zahlung der Rundfunkgebühr nicht nur der Empfang
von Nachrichten ermöglicht werden, sondern es soll damit auch
das Recht eingeräumt werden, Nachrichten zu senden (vgl. BRD).
Es gilt das Kunstförderungsbeitragsgesetz (BGBl.Nr.573/1981 idF
BGBl.Nr.740/1988 und BGBl.Nr.765/1992) entsprechend zu novellieren.
Freies Radio.Ein
Dienst an der Öffentlichkeit/ service public
Freie Radios gewährleisten einen offenen Zugang und in diesem
Sinne freie Meinungsäußerung (free speech) und Meinungsvielfalt.
Das Grundrecht (Art. 10 EMRK) auf aktiven Zugang zum Medium Radio
ist eine Dienstleistung im öffentlichen Interesse (service public).
Laut Urteil des EuGHMR im Verfahren Lentia 2000 ua. ist der Staat
"ultimate guarantor" der Werte Meinungsfreiheit und Medienvielfalt.
Er hat dafür Sorge zu tragen, daß diese Dienstleistung
entsprechend abgegolten wird, damit deren Bestand gesichert ist.
Die Liberalisierung des Rundfunkwesens in einem demokratischen Staat
kann nicht nur Kommerzialisierung bedeuten. So wie die Verkehrswege
öffentliches Gut sind und von der Wirtschaft (Kommerz) genutzt
werden, als auch für Private zugänglich und benutzbar sind,
so ist auch die Luft Allgemeingut. Wenn der Staat hier reglementierend
auftreten will (Gesetzesvorbehalt bei Art. 10 EMRK), muß er
auch Sorge tragen, dass die demokratischen Erfordernisse eines offenen
Zugangs, der Meinungsvielfalt und Medienvielfalt erfüllt werden,
die auch in der EMRK verankert sind und auch real mittlerweile anerkannten
Standard in Europa darstellen.
Warum keine Werbung
Zielsetzung Freier Radios ist es, unabhängig von Verkaufbarkeit,
für offenen Zugang Sorge zu tragen, daß somit auch Minderheitenthemen
und Minderheitengruppierungen ihr Recht auf freie Meinungsäußerung
in Äther verwirklichen können. Dies widerspricht der Konzeption
kommerzieller Radios ganz grundsätzlich, die davon ausgeht, möglichst
große Publikumsgruppen an die Werbewirtschaft zu verkaufen.
Einher damit geht ein durchformatiertes, auf einheitlichen Geschmack
nivelliertes Programm, das vor allem die kaufkräftigsten Schichten
ansprechen soll. Mit dem vielfältigen Programm der freien Radios
läßt sich kein Geschäft machen, wenn schon ein Gutteil
der existierenden kommerziellen Radios in Österreich das nicht
schafft.
(Auszug Positionspapier Verband Freier Radios Österreich, April
2000)
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