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Edlich
eine Elitäre Institution für Alle!
oder
Call 4 aHundredThirtyThree Political Incorrectnesses.
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Eine Polemik in
ein paar Akten.
Es treten auf: die Hyme, die Zynik, des weiteren ein Bergrücken
und einige Milchmädchenrechnungen. Die Szene wird untermalt vom
Summen der Besserwisser und getragen vom Schwanengesang Der
Ewig Morgigen.
Im Epilog endlich, wird die Spannung aufgelöst und alle Konflikte
werden bereinigt.
Gearbeitet wird mit der spezifische Konstruktion von Strukturen des
Themas 'Musiktheater Linz' und ihre Abbildungen; also dem architektonischen
Blick.
Graz
: Linz = Politik : Berg | ?
In beiden Städten gibt es Kulturprojekte, die in den Berg
wollen. Beiderorts wird und wurden die Vorhaben diskutiert. Beiderorts
scheint die Vergartenzwergung der Nation reife Früchte
zu tragen. Grinsend, hinter der ernsten Maske der Vernunft, kommt
die klare Absicht zum Ausdruck, Kultur erst gar nicht geschehen zu
lassen. Doch die Anzahl der wirkenden Kräfte ist groß
deshalb Halt, Vorsicht Verständnisfalle: Was ist
Kultur? Für Wen ist Kultur? Und damit: Wo ist sie?
Region
+ Kultur = Kulturegion | ?
Es ist weder die Sprache noch sind es die ökonomischen Grundlagen.
Also auch nicht die vorgefundenen oder gestifteten Zusammenhänge
von Gruppen der Gesellschaft. Region muss als ambivalenter Begriff
verstanden werden. Die Sichtweise: Region = spezifische und native
Kultur, als untrennbare einander bedingende Einheiten, ist nicht zu
halten. Aber es existiert so etwas wie der Wunsch von Regionen, sich
als Träger einer spezifischen Identität zu präsentieren.
Eine Möglichkeit der Identifikation ist der Bezug zu einem Ort/Gebäude.
Wie dem auch sei um Identität zu stiften, für welche
Kulturen auch immer, bedarf es Strukturen in räumlicher und/oder
zeitlicher Dimension. Das sind dann Träger von Emotionen und
damit von Bedeutungen. Unwesentlich, ob es sich um ein Festival auf
der Wiese oder ein Gebäude handelt. Denn stell dir vor
es ist Kultur und keiner geht hin.
HundredThirtyThree
Aber, in dieser Zeit der parallelen Zeiten: streamen wir doch Info
aus einem anderen Channel. Deshalb der Griff zum 'Conversations=Lexikon,
Zehnter Band der Real Encyklopädie für die gebildeten
Stände, F. Brockhaus, 1867'. Der Begriff Musiktheater war genauso
noch nicht gefunden, wie der des Bildungsbürgertums.
Stichwort Musik, Oper : ... Diese Einteilung..., die jedem Zweig
der Kunst sein Recht gewährt: Kirchenmusik, Bühnenmusik,
Concertmusik. Jeder dieser drei Kunstgattungen haftet an einer bestimmten
Oertlichkeit als an ihrer ausschließlichen, allein berechtigten
Heimat und hat demnach auch einen besonderen Kunststiel zu vollster
Selbständigkeit auszubilden vermocht. ... Bühnen= oder Theathermusik
wird gewöhnlich als dramatische M. bezeichnet, weil sie aus dramatischen
Vorgängen ihre Anregung empfängt und dieselbe zu heben und
zu verstärken bestimmt ist, ein Ausdruck der nicht zu beanstanden,
aber nur mit demselben Rechte und derselben Einschränkung zu
gebrauchen ist, mit welchem die Kirchenmusik auch wol gottesdienstliche
M. genannt wird. Der Kern des dramatischen, soweit dieses im Bereich
der Bühne zur Geltung kommt, liegt in der Poesie; das Musikalisch=Dramatische
aber, die volle Darstellung (nicht blos die Begleitung) von Handlungen
und Vorgängen durch Aufbietung aller Mittel der Tonkunst, geht
weit über die auf der Bühne in Scene gesetzte M. hinaus.
Wäre solches nicht der Fall, so würden diejenigen allerdings
recht haben, welche die dramatisch=theatralische M. als den Kulminationspunkt
der Tonkunst überhaupt ansehen, da in ihr Vocal= und Instrumentalmusik
zu großen Aufgaben, in großen umfassenden Werken innig
verschmolzen sind. Den Mittelpunkt dieser Gattung bildet die Oper,
die ernste (jetzt gewöhnlich die große genannt) und die
komische (Opera seria und Opera buffa). Singspiel, Lustspiel oder
Balladenoper, Melodrama, Couplet, Ballet sind Nebenarten, bei denen
die M. eine weniger hervorragende Stellung einnimmt. ...
Bewahren
Wie auch immer man zu alten Quellen steht: Aufschlussreich an dieser
133 Jahre alten Definition ist der Vergleich mit dem Konzept und der
Ausschreibung zum Linzer Musiktheater.
Differenzen sind nicht wirklich zu finden, also betrachten wir die
Parallelen:
Genaues Unterscheiden und spezifisches Verorten kann im Zusammenhang
mit klaren Konzepten sinnvolle und übersichtliche Strukturen
erzeugen. So klar solche Überlegungen sein können, so starr
sind sie. Dabei widersprechen sie den Prinzipien von bewegten Orten
und wandernden Identitäten. Beides Grundlagen für dynamische
Vernetzung, eine mindest Voraussetzung für einen zeitgenössischen
Ansatz.
Die dienende Rolle der Musik ist im obigen Text klar definiert. Siehe
weiters bestehendes Konzept, Definition Musiktheater, Stichwort Orchestergraben
. Er wird als unumgänglich zwischen dem Bühnen- Geschehen
und der Publikums- Betrachtung bezeichnet. Ja als signifikant für
die Räumlichkeit eines Musiktheaters angesehen. Es schmerzt hinweisen
zu müssen, dass im zeitgenössischen Verständnis, Musik
keinesfalls eine dienende, sondern eine gleichberechtigte Rolle einnehmen
sollte.
Die Raum gewordene Trennung von Geschehen- Kontemplation wird damit
zum Träger des Konzeptes wie der Gattung gemacht. Die resultierenden
Bühnen- und Raumkonzepte der Wettbewerbs-Ausschreibung sprechen
die Sprache des 19. Jahrhunderts und seiner Vorläufer. Das bestehende
Konzept will solche Vorstellungen ins 21. Jahrhundert retten. Dies
zwingt zu Kunstformen der Darstellung wie sie traditionell adäquat
und gleichzeitig modern und zeitgenössisch unbrauchbar sind.
Denn bei der Vielfalt moderner dramatisch-musikalischer Werke ist
nur eines sicher: die Methode ist sichtbar machen nicht
mehr darstellen.
Das bedeutet nicht, Traditionspflege zu unterbinden. Sondern es gilt,
Entwicklungspotential (Virtualität) für zeitgenössische
und daraus entstehende Entwicklungen zu öffnen.
Herausforderung
Das gesuchte Musiktheater für das 21. Jahrhundert scheint zu
bedeuten: Mit dem Entwurfsansatz der experimentellen 70iger Jahren
soll die revolutionäre Renaissance-Oper-Idee verwirklicht werden.
Gut, gut, gut Standortevaluierung in Österreich und in der Stadt
Linz, Verkehrsproblematik im Stadtkern und die geplante Westbrücke,
Anbindung oder Verbindung von Stadt und Fluss. Zumindest das ist vom
Konzept her, und deshalb auch in den gekürten Projekten, zu kurz
gekommen. Nur ein Detail:
Die Möglichkeit, die Stadt mit dem Fluss zu verbinden. Also mehr
aus der vielbeschworenen Donau zu machen als ein Objekt der
Betrachtung, oder der Verkehrsbehinderung wurde gnadenlos verspielt.
Der Steg über die Verkehrshölle kann nur als Ausrede dienen.
Mit seinen 3 Treppenläufen wird er nur als Notlösung, aber
nicht als Nutzlösung angenommen werden. Auch im Vergleich mit
seinem bereits gebauten Gegenstück, östlich der Brücke,
zeigt er seine Schwächen deutlich.
Macht
= Bühne + Orchestergraben + Zuschauerraum | ?
Architektur ist als technische, wie als künstlerische, wie als
soziale Disziplin nie grundsätzlich eindeutig oder eingängig.
Erwartet wird von Architektur, dass sie sich an Gewohnheiten orientiert,
dass sie gefällt und deshalb mehrheitsfähig sein kann. Architektur
kann das und erreicht dann eindimensionale Anbiederung an die Konvention.
Die Jury- Entscheidung sollte nach Maßgabe der Einhaltung der
Wettbewerbsbedingungen, der künstlerischen und städtebaulichen,
sowie der funktionellen Gesichtspunkte ausfallen. Sie war geprägt
von Vorstellungen wie Theater im Berg, lineare Axialität
und der Suche nach der Gestaltungskraft eines Schöpfers oder
Kunst- Generalisten. So kann man es im Jury- Entscheid nachlesen:
Die von Hand verfasste Perspektive... verweist auf die
...räumliche Vorstellungswelt ihres Schöpfers.
So nebenbei: der Architekt als genialer Schöpfer ist ein Auslaufmodell
der Begriffs-Geschichte. Wichtiger aber, die Beurteilung räumlicher
Vorstellungskraft anhand einer zweidimensionalen Projektion ist schlicht
unverträglich. Dahinter steht das traditionelle Verständnis
natürlicher Hierarchien in der organischen Einheit
einer Nation unter dem Motto wir können nicht alle gleich
sein. Hier wird bewusst die Beherrschung einer Methode mit einer
mentalen Bewegung gleichgesetzt. Das ist ein quantitatives, statisches
Maß für einen qualitativen Prozess. Das ist aus heutiger
Sicht nur noch als bürokratisch zu bezeichnen.
All das bezeugt ein Architekturverständnis, das ob seiner Konzept-Orientierung
für eine bereits überwundene Konvention steht.
Zeichen
= Stadt + Berg + Fluss = Bedeutung | ?
Ein innovatives Verständnis der Wettbewerbs-Ausschreibung wurde
jedenfalls mit Ausscheidung belohnt. Das zeigt: es ist eben doch noch
nicht müßig, auf Entwicklungen der Architektur in den vergangenen
Jahrzehnten zu verweisen.
Denn seitens der Entscheidungsträger wird mit der totalen Einhaltung
der Ausschreibung argumentiert: I scratch your back, you scratch
mine steht für Eine Hand wäscht die andere.
Der angesprochene Rücken könnte der Bergrücken sein,
dessen Flanke gedanklich gekratzt wird. Zur Erfüllung der Hochkunst-Theatralik
hat sich die Politik die nötige Rückendeckung aus der hehren
Hochkunst-Architektur holen wollen.
Der Bühnenbereich ist gemäß dem vorgegebenen
Typus ... organisiert. schreibt Sieger- Architekt Häuselmayer.
Weiter Das in der Ausschreibung zugrundegelegte Verkehrskonzept
wurde übernommen. ... Der Architekt als Erfüllungsgehilfe
und Raum-Konfektionär, pardon, Raum- Couturier. Die Beurteilung
der Tauglichkeit der Projekte war maßgeblich von diesem Verständnis
der Rolle der Architektur bestimmt.
Wie dem auch sei, Oper ist für Architekten eine sehr selten ausgeschriebene
und sehr spannende Bauaufgabe. Warum haben bei einem international
ausgeschriebenen Wettbewerb nur zwei nicht- deutschsprachige Büros
eingereicht?
Kultur
Nun, diese ... neue Gesamtlösung ist nötig und sollte
zeitgemäß sein - eher sogar der Konzeption vorauseilen.
Dies umreißt die Grundforderung der Betreiber der Musiktheater-
Idee. Angesichts der abgeleiteten Konsequenzen aus der Forderung ist
jetzt nur noch nicht ganz klar wer wen, oder was, verhöhnt.
Schwellenängste vor einem solchen Haus sind weitgehend
abgebaut ... wird behauptet . Stimmt, wenn man das hohe Maß
an Ignoranz gegenüber diesen Kunstformen mitzählt. Ein Hoch
der Einsicht, die aus diesen zitierten Zeilen spricht. Denn damit
wird bestätigt, dass Hochkultur als ein Minderheitenprogramm
wie viele andere auch betrachtet wird.
In diesem Zusammenhang muss ein Zitat zum Unterschied zwischen Musiktheater
und Schauspiel angeführt werden: Das Schauspiel braucht
den Zuschauer und drängt in seine Nähe. Schön,
dass ihn das Musiktheater nicht braucht und deshalb aus seiner Nähe
schwinden kann. Denn die männliche Metapher für das Publikum
wird nicht auf allgemeine Anerkennung stoßen.
Spezialisierung der Theater-Sparten ist ein wichtiges Argument für
die Grundsatzforderung. Wenn sich die Sparten des Theaters so spezialisiert
haben, warum dann eine Trennung der Häuser, aber e i n e künstlerische
und kaufmännische Leitung? Um Wettbewerb direkt zu vermeiden?
Um sich, oder ihm, Pfründe zu sichern?
Für die Zukunft stellt man sich, laut Konzept, ein Musiktheater
vor, das neben längst bekannten Eigenschaften auch bewährtes
bietet. Es vervollständigt als Spitze die beispielhafte
musische Bildungspyramide Oberöösterreichs. Aber nicht
nur das. Diese Einrichtung versteht sich als Haus für alle
Oberösterreicher und Linzer, für jung und alt. Für
alle, die Kunst im eigenen Umfeld einfach und kostengünstig erleben
wollen. Endlich eine elitäre Institution für Alle!
Epilog
Es mag sich um eine traditionelle, bewährte Vorgansweise handeln,
wenn der Architektur als Kunst geschmeichelt wird. Ob es sich bei
dem Phänomen Architektur nun um Kunst handelt oder nicht, sei
dahingestellt. Jedenfalls ist es nicht Kunst allein.
Spezialisten für räumliche Orientierung und Organisation
nur als Raum- Konfektionäre einzusetzen ist glatte Unterforderung.
Selbst bei den vorhandenen Strukturen von Wettbewerben kann mehr erreicht
werden. Wesentlich mehr als die Fixierung von Provinzialität,
die bestehende innovative Unternehmungen in Linz konterkariert.
Es erscheint dringend angebracht, den jetzigen Stand der Dinge als
gewissenhafte Studie einer Variante zu betrachten und weiter zu gehen.
Das virulente Potential an Linzer Kulturschaffen ist noch nicht berührt
worden. Hochkultur ist längst eine Kultur unter vielen anderen,
gleichberechtigten Kulturen. Es gilt, zu verbinden und Kulturen zusammenzuführen.
Ihr Reichtum rührt zu einem Gutteil da her. Linz hat das sehr
früh erkannt und schöpft gerade aus diesem Umstand internationalen
Rang. Oder ist die Stadt da bloß hinein gestolpert? Völlig
egal denn hier gilt es nun, guten Ruf zu verspielen oder auszubauen.
Qualität erreichen und sichern, um quantifizierbar ökonomisch
zu argumentieren. Aber dies kann nicht bedeuten das gleiche, wie ca.
150 km nach Ost oder West gefahren, zu machen.
Die angesprochenen Spezialisten sind entsprechend ihren Fähigkeiten
einzusetzen. Solche Leute sind imstande Inhalte zu liefern, die aus
der Sicht der Verantwortungsträger wie der Betroffenen nicht
wahrgenommen werden können. Man muß ihnen die Möglichkeit
geben. Entweder durch eine entsprechende Ausschreibung oder eine mutige
Jury.
Ein traditioneller Weg wurde gegangen und ein traditionelles Ziel
erreicht. Der politische Prozess hat Rahmenbedingungen erzeugt, die
seinen ureigensten Intentionen widersprechen. Deshalb weiter mit der
Entwicklung eines Konzeptes für Medien und dramatische
Künste. Teams aus Theatermachern, Architekten, Medienspezialisten
und Kulturfachleuten sollten in einer Ausschreibung aufgerufen werden.
Zu klären ist: Call 4:
Die Verortung; über die Standortfrage hinaus, hin zur dynamischen
Vernetzung in der Mikro- und Makro-Region.
Die Morphologie; die Gestalt einer Struktur von Medien und dramatische
Künsten. Oder gilt nur
Bedeutung = Bühne + Orchestergraben + Zuschauerraum = Zeichen
= Stadt + Berg + Fluss = Macht | ?
Oliver Schürer, freier Autor in dem Bereich von Theorie und Praxis
der Medien- und Architekturkonvergenz, lebt und arbeitet in Graz,
Wien und Linz.
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